„Die Amis…“ – Achtung Ironie

Ich habe den Text bereits 2014 geschrieben, aber nie veröffentlicht. Da nun in Kürze der nächste Besuch ansteht, dachte ich mir „der Zeitpunkt passt eigentlich ganz gut“. Viel Spass!

„Wenn man eine Reise macht, dann kann man viel erleben“

So heisst doch die Redewendung. Bei den verschiedenen Ländern ist die USA (egal wie man nun zur Politik etc. steht) eines der interessantesten Länder, da es viele schöne Orte zu sehen gibt.
Abseits davon ist es aber auch schon ein Erlebnis, weil es so viele Dinge gibt die man wahrnimmt und bei denen man mit dem Kopfschütteln nicht mehr aufhört – zumindest als Deutscher (bei uns ist ja idR. alles bis ins kleinste genormt). Um mal gleich mit einer der amerikanischen Gewohnheiten zu beginnen, hier ein kleiner Sicherheitshinweis zum nachfolgenden Text – bitte nicht allzu ernst nehmen; oder anders gesagt „Achtung: Ironie“.

Fußgänger

Damit wären wir auch schon beim ersten Beispiel, während wir Deutschen maximal am Zebrastreifen oder einer Ampel halten und jede andere Überquerung der Strasse durch Fussgänger tunlichst zu unterlassen ist, verhalten sich die Amerikaner Fussgängern sehr verwunderlich. Sofern man an der Strasse steht und auch nur das geringste Anzeichen äussert, dass man die Strasse überqueren möchte (dort stehen mit Blick zur Strasse reicht eigentlich schon) drosselt der „Ami“ seine Geschwindigkeit oder hält sogar an. Zu diesem Zeitpunkt ist er jedoch noch soweit entfernt, dass er nicht einmal ein Handzeichen erkennt, welches ihn darauf hinweisen könnte, dass man gar nicht über die Strasse möchte.

Überholen

Während in Deutschland nur links überholt werden darf, ist es in den USA erlaubt auf beiden Seiten ein langsameres Auto zu überholen. Neben dem Normalamerikaner, die davon regulär gebrauch machen, gibt es zwei weitere Extreme. Der eine fährt mit überhöhter Geschwindigkeit (in Deutschland würde sich bei dem Tempo immer noch eine Schlange hinter einem aufreihen) kreuz und quer in halsbrecherischer Art und Weise durch den Verkehr, sodass es etwas von einem Hindernislauf hat. Der andere plädiert darauf, dass eine von 4 Spuren ihm gehört und zeigt einem unverkennbar, dass man doch bitte ein paar Meilen schneller fahren solle – dass er links und rechts überholen könnte bleibt ihm dabei völlig fremd.

Toiletten und Badezimmer

Während man in Deutschland idR. Eine Toilette vorfindet die von Grösse und Höhe der Anbringung her genormt zu sein scheint – herrscht in den USA ein kleines Chaos. Es gibt die Toiletten auf denen nicht einmal Kleinkinder in die „Schüssel“ fallen können, weil die Toilette so klein ist und es gibt diese da würde selbst ein Elefant drin schwimmen können. Zusätzlich scheint man bei der Installation von öffentlichen Toiletten nur fachfremde Handwerker zu beschäftigen. Während in Deutschland die Kabine akkurat zugeschnitten ist, sodass keine Lücke zwischen den Wänden und der Tür zu finden sind, begnügt sich der Amerikaner damit überall einen halben Zentimeter Platz zu lassen, sodass es auch nicht auffällt ob die Wand nun gerade oder schief zugesägt ist.
Eine andere schlüssige Erklärung für diese Art der Konstruktion scheint auch folgendes Problem zu sein. Für einen Deutschen ist es normal anhand der roten oder grünen Markierung am Türschloss zu erkennen (im Sinne der Beachtung von rot-grün blinden Mitmenschen wäre natürlich „Frei“ bzw. „Besetzt“ hilfreicher), ob diese besetzt oder frei ist – dieses eigentlich eindeutige Prinzip scheint dem Amerikaner entweder nicht bekannt zu sein oder aber es Bedarf verschiedenster Sicherheitshinweise um eine mögliche Fehlinterpretation zu vermeiden. Denn man muss entweder an der Tür rütteln oder aber einen kurzen Blick durch die grosszügigen Dehnungsfugen um den Zustand der Vacanz eines Örtchens beurteilen zu können.
Wenn wir gerade beim Thema sind, sei auch noch der Halter für das meist einlagige Klopapier erwähnt. Es könnte an einer fehlenden Montageanleitung liegen oder aber schlicht an der Tatsache, dass sich der Monteur nicht mal selbst auf die „Schüssel“ gesetzt hat um die sinnvolle Höhe einer solchen Halterung festzustellen. In 9 von 10 Fällen kann man damit rechnen, dass die Halterung gerade soweit über dem Boden montiert ist, dass zweit Blatt breit Platz ist bevor das Papier den Boden berührt. Also falls man mal wieder das Toilettenpapier sucht, einfach den Blick nach unten senken und auf Höhe der Knöchel suchen.

Der Tisch

Der Tisch an sich ist eine hochkomplizierte Erfindung, die bei der Konstruktion und Umsetzung Millimeterarbeit und äusserste Präzision verlangt – zumindest ist das der Eindruck, den man beim Besuch verschiedenster Restaurants und Diner bekommt. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine solide Konstruktion mit dicker Tischplatte und einem Metallfuss in der Mitte. Jedoch stellt sich dieser Umstand bei der ersten Benutzung als völlige Fehleinschätzung dar. In den meisten Fällen wackeln die Tische wie ein Kuhschwanz hin und her, sodass man entweder einen ganzen Stapel nicht vorhandene Bierdeckel bräuchte oder aber man versucht den Tisch durch Einsatz von Füssen und Armen in einer stabilen Position zu halten. Hier sei angemerkt, dass es eventuell auch am Boden liegen könnte – jedoch konnte ich dies bisher aufgrund der fehlenden Wasserwaage im Gepäck (man hat ja nicht mehr soviel Freigepäck und der Einkauf vom Outlet muss ja auch noch irgendwo hin) nicht eindeutig nachprüfen.

Steckdosen

Die deutsche Steckdose macht in manchen Fällen mal Probleme, dass der Stecker zu schwer reingeht bzw. man ihn nicht so einfach rausbekommt – keine Angst, dieses Problem haben die Amerikaner mit einer technischen Meisterleistung gelöst. Den Stecker in die Steckdose zu bekommen – kein Problem, einfacher geht’s nicht. Den Stecker aus der Steckdose zu bekommen ebenfalls kein Problem. Aber ein kleines Hindernis gibt es dann doch – dieses bewältigt die deutsche Steckdose mit Bravour – den Stecker in der Steckdose halten. In Zeiten von steigenden Energiepreisen mag man diesem Urteil kritisch gegenüber stehen, jedoch sollte doch die Entscheidung Strom an oder aus dem Mensch und nicht der Schwerkraft überlassen bleiben. Die amerikanischen Steckdosen haben nämlich das Problem, den Stecker nur mit viel Glück und guten Willen in der Dose zu halten – ein minimaler Ruck oder das Kabel ist zu schwer und schon ist der Stecker draussen. So findet man beim Betreten eines Hotelzimmers immer wieder Stecker vor, die sich noch mit allerletzter Kraft in der Steckdose halten. Die Lampe ist also nicht zwangsweise kaputt – vielleicht ist einfach nur mal wieder der Stecker draussen.

Sundowner

Sobald man das Hotelzimmer betritt sucht man einen Lichtschalter, da die Vorhänge meist zugezogen sind und somit das Zimmer erst einmal dunkel ist. Nun sucht man meist vergebens, da zumindest die meisten Hotelzimmer keine Lampe an der Decke besitzen die das Zimmer ausleuchtet. Soweit so gut, man erhascht den Blick auf die ein oder andere Lampe die sich im Raum befindet und da kommt auch schon die nächste Überraschung – wie schaltet man dieses verdammte Ding an. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ein kleiner Hinweis am Rande, der gesuchte Gegenstand ist meist klein, rund und fühlt sich ähnlich an wie der Ventildeckel eines Fahrrad oder Autoreifens. Die Position des Schalters kann an den verschiedensten Stellen sein, sodass auch eine kleine Verenkung des Arms oder Handgelenks nicht auszuschliessen ist. Aber Vorsicht – der Schalter sollte nur in eine Richtung gedreht werden. So lässt sich die Lampe ein- und ausschalten. Sollte man der Versuchung (bzw. eigentlich Logik) nicht widerstehen können, dass Drehen in die entgegengesetzte Richtung das Gegenteilige bewirkt – so ist man auf dem Holzweg. Zum einen bleibt man erfolglos und zum Anderen kann es passieren, dass man noch den halben Schalter demontiert bzw. aus seiner Halterung dreht.

Das Restaurant

Ab und zu möchte man in den USA auch mal was anderes als Burger oder Fast-Food essen. Mexikanisch, Asiatisch und lokale Küche sind je nach Region durchaus einen Versuch wert. Die Preise sind ok, jedoch meist ein klein wenig teurer als in Deutschland. Den Tip (das Trinkgeld) von ca. 15% sollte man dabei nicht vergessen, wobei es in manchen Restaurants ab 4 Personen automatisch auf die Rechnung hinzugefügt wird. Nachdem nun die allgemeinen Rahmenbedingungen klar sind kommt der Erlebnisteil des Restaurantbesuchs. Sobald man das Restaurant betritt, sollte man warten bis man gesetzt wird (!) – entweder hält man den Gast für zu blöd sich einen Platz auszusuchen oder aber man brauchte noch eine Beschäftigung für das zahlreich vorhandene Personal.

Personal als guter Stichpunkt – bei einer Zählung stellte ich folgende Rollenverteilung fest (und hierbei ist jeder Stichpunkt eine andere Person). Hinsetzer, Brötchenbringer, Getränke- und Essensbedienung, Nachschenker, Abräumer. Mitgezählt? Fünf Personen pro Tisch und da ist die Küche und das Management noch nicht eingerechnet. So müht sich also ein kleiner Hofstaat ab um sich um das leibliche Wohl von 2-4 Personen zu kümmern. Kein Wunder das die Serviceangestellten über den Tip bezahlt werden – alles andere würde die restlichen Preise nur ins astronomische schiessen lassen.

Nachdem das Essen serviert wurde, braucht man sich keine Sorgen zum Machen noch irgendeinen Wunsch zu äussern. In der Regel kommt die Bedienung alle 2-3 Minuten am Tisch vorbei und fragt ob alles zur Zufriedenheit ist – ein wirklicher Genuss des Essens kann so gut es auch sein mag nicht aufkommen, wenn ständig jemand nervt und einen beim Kauen bzw. Gespräch unterbricht.

Eine weitere Eigenheit in den USA ist, dass man nachdem man mit dem Essen fertig ist und nun wunschlos glücklich ist, innerhalb der nächsten Minute die Rechnung auf dem Tisch hat. Auch wenn man sich nach deutscher Sitte etwas Zeit lässt und das Ambiente etwas geniesst, kann man doch die Blicke erhaschen, ob die Kreditkarte bzw. das Bargeld schon in das kleine Büchlein gelegt wurde.